Wie alles begann!

Ein strahlendes junges Pärchen gleitet am 18. Mai 1962 über die Tanzfläche. Die beiden "mussten" heiraten. Nicht etwa, weil die erste der vier Töchter schon unterwegs war. Anke und Günther Landsknecht wollten das Kolpinghaus in Montabaur übernehmen. Und das ging natürlich nur als "richtiges Ehepaar". Doch bald schon stand dem quirligen Duo der Sinn nach mehr. Ein eigener Betrieb sollte her. In Hennef-Uckerath schließlich wurden die Landsknechts 1964 fündig. "Euler´s Marie" verkaufte ihr Gasthaus "Zum alten Zoll", eine gut eingeführte Gastronomie, nicht nur für die Uckerather, sondern vor allem auch für Fernfahrer.
 
Als Günther Landsknecht dort hin kam, um sich das Haus anzusehen, hatte er richtig Hunger. Die Vorbesitzerin "Euler´s Marie" brachte ihm eine Riesenportion Sauerbraten, die er komplett vertilgte. "Das ist der Richtige", sagte sie anschließend. Eine gut gewählte Lage, immerhin ist die Bundesstraße B 8 eine der ältesten Straßen des Rheinlands und wichtige Verbindungsader in den Westerwald. Schon die Römer zogen hier entlang. Der Handels- und Verkehrsweg, eine unter Napoleon gut ausgebaute Heerstraße, führt durch Uckerath. Auch der Rhein (Königswinter) liegt ganz in der Nähe. Bereits im Jahre 1131 wird das Kirchdorf erstmals erwähnt.
 
Eine Zollstation gab dem Anwesen seinen Namen : "Zum alten Zoll". Abgaben werden heute nicht mehr verlangt bei der Durchfahrt, gleichwohl errichteten die Gastronomen eine Schranke : "die der Gastlichkeit" und das seit inzwischen 40 Jahren.
 
Wie Phönix aus der Asche!
 
Den jungen Leuten allerdings wurde es nicht leicht gemacht. Bald schon durften auf Anweisung der Gemeinde auf dem gegenüber liegenden Parkplatz keine LKWs mehr halten. Eine wichtige Existenzgrundlage, die Fernfahrer nämlich, blieben weg. Was andere in den Ruin getrieben hätte, spornte Anke und Günther indes nur an. Sie begannen zu wühlen und bauten unter dem alten Haus einen Keller. Auf Pfeiler wurde das Fachwerkanwesen gestellt und damit viel unterirdischer Platz geschaffen. Zur Kirmes stellten sie Tische und Bänke hinein, die erste Feier lief. Nach aufwändigem Umbau wurde die Gaststätte am 31.Mai 1968, immer noch als Gaststätte "Zum alten Zoll", wieder eröffnet.
Günther war es stets, der bei den Bauarbeiten vorne mit dabei war. Ohne Schubkarre und Betonmischer wäre er wohl nicht wirklich glücklich geworden. Geboren war auch die Idee für den legendären "Schaukelkeller", der im Anschluss entstand. Mit so genannten Schwarten, den halbrunden Brettern, die außen am Stamm geschnitten werden, wurden nicht nur die Wände verkleidet.
Auch die Sitzgelegenheiten, die Schaukeln, die der urigen Disco den Namen gaben, waren daraus gefertigt. An Ketten aufgehängt hingen sie damals wie heute an den Theken von der Decke herunter.
 
Die Legende lebt
 
Den Wandel der Zeit hatten die Landsknechts frühzeitig erkannt. Von nah und fern reisten sowohl junge Leute wie auch die älteren Semester an. Vor 35 Jahren, also im Jahr 1969 hatte Hennef-Uckerath bereits eine der ersten Groß-Diskotheken im Rheinland. Grandiose Partys wurden gefeiert, wer den Schaukelkeller nicht kannte, war nicht "up to Date". An 240 Meter Theke schenkte das Schaukelkeller Team Getränke aus, den Anspruch "für jung und alt" erfüllte der Tanzpalast jedes Wochenende bis in die Nacht aufs Neue.
Doch damit hatten Anke und Günther ihre Ziele noch lange nicht erreicht. Und im Ausbau oben drüber, als das Fachwerk abgetragen und ein Neubau errichtet wurde, kam die "Tenne" dazu. Hier gab es reichlich Platz für viele Menschen. Aus den "Fremden-" wurden Hotelzimmer; so mancher Kegel- oder Fußballverein erlebte vergnügliche Wochenenden.
 
Tierisch was los!
 
Aber nicht nur mit Spaten und Schubkarre war Günther fleißig . In der Gastronomie kümmerte er sich mit seiner Frau persönlich um die Gäste. "Da steht ein Pferd auf dem Flur", den Schlager hat er wörtlich genommen und den Vierbeiner auch gleich durch die Gaststätte geführt, mit einem Uckerather im feinen Zwirn auf dem Rücken. Selbst eine Kuh hat die "Tenne" schon von innen gesehen; auf besonderen Wunsch von Anke Landsknecht. Sie wollte melken lernen, ein Stammgast brachte das Tier einfach mit.

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